Die Runensteine von Jelling – Das Herzstück der dänischen Wikingerzeit
- Michael Praher

- 22. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen

Inhaltsverzeichnis:
🔸 Die Jelling-Anlage: Ein Ort zwischen Macht und Mythos
🔸 Der kleine Jelling-Stein – König Gorms Vermächtnis
🔸 Der große Jelling-Stein – Harald Blauzahns Botschaft an die Welt
🔸 Runen, Symbole und Stil – Kunst der Wikinger im Wandel
🔸 Jelling als politisches Zentrum der frühen Monarchie
🔸 Moderne Bedeutung: Die „Geburtsurkunde Dänemarks“
🔸 Verwandte Runensteine und ihre Bedeutung
🔸 Fazit
Die Runensteine von Jelling zählen zu den bedeutendsten archäologischen Monumenten Nordeuropas. Oft werden sie als „Taufsteine Dänemarks“ bezeichnet – und das aus gutem Grund: Sie markieren einen Wendepunkt in der Geschichte des Landes, an dem heidnische Traditionen auf das aufkommende Christentum trafen. König Gorm und sein Sohn Harald Blauzahn hinterließen mit ihren Inschriften nicht nur politische Botschaften, sondern auch ein einzigartiges Zeugnis darüber, wie sich die Identität der Wikinger im 10. Jahrhundert wandelte.
Heute gehören die Jelling-Steine zum UNESCO-Weltkulturerbe und gelten als eine Art „Nationaldenkmal“ Dänemarks. Doch hinter den kunstvollen Runen verbirgt sich weit mehr als bloße Erinnerung: Sie erzählen von Macht, Glauben, Dynastie, Verlust – und dem Beginn eines christlich geeinten Königreichs.
Die Jelling-Anlage: Ein Ort zwischen Macht und Mythos
Jelling war im 10. Jahrhundert ein Zentrum königlicher Autorität. Hier befanden sich nicht nur die beiden weltberühmten Runensteine, sondern auch riesige Grabhügel, Palisaden, Versammlungsplätze und eine Kirche, die später mehrfach umgebaut wurde.
Archäologische Untersuchungen zeigen, dass die Anlage bewusst monumental gestaltet wurde – ein politisches Statement der jungen dänischen Monarchie. Wer Jelling betrat, spürte die Macht der Herrscherfamilie, die hier ihre Wurzeln fest in den Boden rammte.
Der kleine Jelling-Stein – König Gorms Vermächtnis

Ursprung und Bedeutung des Steins
Der kleinere der beiden Steine wurde um 955 n. Chr. von König Gorm dem Alten errichtet, dem ersten historisch gesicherten König Dänemarks. Er widmete ihn seiner Frau Thyra, die von den Quellen als klug, einflussreich und politisch bedeutsam beschrieben wird.
Die Inschrift lautet sinngemäß:
„König Gorm errichtete diesen Stein zum Gedenken an seine Frau Thyra, die Zierde Dänemarks.“
Was der Stein über die Gesellschaft verrät
Dieser Satz zeigt, wie außergewöhnlich Thyra gewesen sein muss. In einer Zeit, in der Frauen oft nur am Rande historischer Aufzeichnungen erscheinen, hebt Gorm sie als „Zierde“ des Landes hervor.
Der kleine Jelling-Stein bildet damit den emotionalen Kern des gesamten Ortes: eine königliche Erinnerung an eine Frau, deren Einfluss offenbar weit über das Private hinausging.
Der große Jelling-Stein – Harald Blauzahns Botschaft an die Welt

Ein Monument des politischen Wandels
Der große Stein wurde um 965 n. Chr. von Harald Blauzahn errichtet, dem Sohn Gorms. Seine Inschrift ist wesentlich umfangreicher und zugleich politisch aufgeladen.
Sinngemäß verkündet der Stein:
Harald habe ganz Dänemark und Norwegen geeint.
Harald habe „die Dänen zu Christen gemacht“.
Diese Worte markieren den offiziellen Beginn des christlichen Dänemark – eine historische Zeitenwende, die sich im Design des Steins widerspiegelt.
Das Bild Christi
Besonders berühmt ist die Darstellung Christi auf einer Seite des Steins. Christus ist nicht schwach oder leidend dargestellt, sondern aufrecht, kraftvoll und strahlend – eine Art göttlicher Herrscher, der perfekt zum Selbstbild Haralds passte.
Diese Bildsprache zeigt, dass der König nicht einfach nur einen Glauben übernahm, sondern ihn politisch nutzte, um seine Macht zu festigen.
Runen, Symbole und Stil – Kunst der Wikinger im Wandel
Der Übergang vom Heidentum zum Christentum
Die Verzierung des großen Jelling-Steins zeigt deutlich, wie die Wikingerkultur sich veränderte. Heidnische Tierornamente verbinden sich plötzlich mit christlichen Motiven – eine stilistische Fusion, die es in dieser Form nur in der Zeit des Glaubenswechsels gibt.
Typisch sind:
ineinander verschlungene Tiere
geometrische Bänder
christliche Symbole und Figuren
ein monumentaler Bildaufbau
Der Stein ist nicht nur ein Denkmal – er ist ein Kunstwerk, das den Kulturwandel direkt sichtbar macht.
Jelling als politisches Zentrum der frühen Monarchie
Das neue Machtverständnis
Harald Blauzahn nutzte Jelling bewusst als Bühne. Durch den Bau großer Holzpalisaden, Grabhügel und eines monumentalen Runensteins schuf er einen Ort, der seine Herrschaft legitimierte.
Die Botschaft war klar: Die neue Dynastie kommt von hier – und sie bringt Ordnung, Glauben und Einheit.
Die Kirche von Jelling
Die Kirche, die heute an der Stelle der damaligen Holzkirche steht, symbolisiert diesen Wandel vom heidnischen Grabhügel zum christlichen Zentrum. Unter ihr wurden sogar Teile des Gorm-Skeletts gefunden – ein starkes Zeichen dafür, wie eng die Herrscherfamilie mit diesem Ort verbunden war.
Moderne Bedeutung: Die „Geburtsurkunde Dänemarks“
Die Runensteine von Jelling werden heute oft als dänische Geburtsurkunde bezeichnet. Kein anderes Monument des Landes trägt solch klare Aussagen über die Staatsbildung, die Religion und die Herrscherfamilie.
Sie sind:
nationales Symbol
UNESCO-Weltkulturerbe
Zeugnis der Wikingerkunst
politisches Manifest
Quelle für das frühe Mittelalter
Jedes Jahr besuchen Tausende Menschen die Jelling-Anlage, um die Steine und ihre Geschichte zu erleben.
Verwandte Runensteine und ihre Bedeutung
Die Jelling-Steine stehen nicht für sich allein. Sie gehören zu einer Tradition dänischer und skandinavischer Runenmonumente, die oft Machtansprüche, familiäre Beziehungen oder Glaubenskämpfe dokumentieren – darunter:
der Glavendrup-Stein
der Rök-Stein in Schweden
der Tryggevælde-Stein
zahlreiche dänische Skovbogård-Steine
Doch keiner dieser Steine erreichte je die kulturelle Strahlkraft der Jelling-Steine, die Kunst, Politik und Religion in einzigartiger Form verbinden.
Fazit: Ein Monument zwischen zwei Welten
Die Runensteine von Jelling sind weit mehr als große Felsbrocken mit Inschriften. Sie markieren die Transformation einer ganzen Gesellschaft – von heidnischen Kriegertraditionen hin zu einem christlich geeinten Königreich.
Gorms Stein erzählt von Liebe und Verlust, Haralds Stein von Macht und Mission. Zusammen erschaffen sie ein Bild davon, wie die Wikingerwelt sich neu definierte und den Lauf der dänischen Geschichte für immer formte.
FAQ zu den Runensteinen von Jelling
Warum sind die Jelling-Steine so bedeutend?
Weil sie die Christianisierung und Einigung Dänemarks offiziell dokumentieren.
Wer ließ die Steine errichten?
König Gorm der Alte (kleiner Stein) und sein Sohn Harald Blauzahn (großer Stein).
Welche Botschaft steht auf dem großen Jelling-Stein?
Er verkündet die Vereinigung Dänemarks und die Bekehrung der Dänen zum Christentum.
Warum gehören die Jelling-Steine zum UNESCO-Weltkulturerbe?
Sie sind einzigartige Zeugnisse skandinavischer Geschichte, Kunst und Religion.
Was zeigt die Bildseite des großen Steins?
Eine kraftvolle Darstellung Christi – eine seltene Darstellung in der skandinavischen Kunst jener Zeit.
Wenn dich die Geschichte der Runen, der Wikingerkönige und der frühen nordischen Staaten fasziniert, findest du auf meinem Blog viele weitere Artikel zu Symbolen, Monumenten und mythologischen Hintergründen. Schau gerne auch in die Artikel zu Runensteinen, Wikingerkönigen oder bedeutenden Funden hinein und vertiefe dein Wissen über die Welt der Nordmänner.










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