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Die wichtigsten keltischen Funde der Archäologie – Was uns die Kelten hinterließen

  • Autorenbild: Michael Praher
    Michael Praher
  • 17. Nov. 2025
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 15 Minuten

Illustration einer Fundstelle mit keltischen Schätzen

Nur selten erzählen Schriftquellen von den Kelten – denn sie selbst schrieben kaum. Was wir über sie wissen, stammt oft von ihren Gegnern, den Römern und Griechen, oder aus den Schichten der Erde. Doch genau dort, im Boden Europas, haben die Kelten ihre wahre Geschichte hinterlassen: kunstvoll verzierte Waffen, geheimnisvolle Goldschätze, Grabbeigaben, Kultplätze und ganze Siedlungen. Diese archäologischen Funde geben Einblicke in ihre Kunst, Religion, Gesellschaft und Handelsverbindungen – und zeigen, dass die Kelten weit mehr waren als wilde Krieger.


Von den Grabhügeln der Hallstatt-Kultur bis zu den reichen Fürstengräbern von Hochdorf und Vix – jede Entdeckung ist ein Fenster in eine Welt, die zwischen Mythos und Realität schimmert.

Die Wurzeln: Hallstatt und La Tène – Wie die Archäologie die Kelten definierte

Die Kelten sind keine Nation, sondern eine Kultur, die sich über Jahrhunderte in Mitteleuropa entwickelte. Ihre Geschichte beginnt in der früheisenzeitlichen Hallstatt-Kultur (ca. 800–500 v. Chr.), benannt nach dem Fundort Hallstatt im Salzkammergut in Österreich.


Hallstatt – Wo alles begann

In den Salzbergwerken von Hallstatt wurden außergewöhnlich gut erhaltene Werkzeuge, Stoffe, Holzgegenstände und sogar Reste von Lebensmitteln gefunden. Das Salz konservierte alles über Jahrhunderte hinweg – und gab so einen einzigartigen Einblick in den Alltag der frühen Kelten. Diese Funde zeigen eine Gesellschaft mit klarer sozialer Hierarchie, internationalem Handel (bis nach Griechenland und Italien) und hochentwickeltem Kunsthandwerk.


Besonders bedeutend:

  • Bronzenadeln, Schwerter, Wagen und Schmuck aus Bernstein und Gold

  • Gräber mit reichen Beigaben – ein Zeichen für frühe keltische „Fürsten“

  • Hinweise auf eine frühe Religion mit Ahnenkult und Grabritualen


La Tène – Die Blüte der keltischen Kultur

Ein paar Jahrhunderte später entstand die La-Tène-Kultur (ca. 500–100 v. Chr.), deren Name von einem Fundort am Neuenburgersee in der Schweiz stammt. Hier fanden Archäologen Waffen, Fibeln, Münzen, Statuetten und Kultgegenstände, die von einer einheitlichen, aber kunstvollen Symbolsprache zeugen – Spiralen, Tiere, verschlungene Muster, abstrakte Gesichter.


La Tène war das „Goldene Zeitalter“ der Kelten, in dem sie sich von Irland bis Anatolien ausbreiteten. Viele der bekanntesten Funde stammen aus dieser Zeit.

Das Fürstengrab von Hochdorf – Ein Fenster in die Welt der keltischen Eliten

Einer der bedeutendsten keltischen Funde Europas ist das Fürstengrab von Hochdorf (Baden-Württemberg, Deutschland), entdeckt 1977.In einer prunkvollen Grabkammer lag ein etwa 40-jähriger Mann auf einem bronzenen Liegestuhl – umgeben von Pracht, Macht und Symbolik.


Die Funde im Detail:

  • Eine riesige Bronzeschale aus Griechenland, die über 500 Liter Met fassen konnte

  • Ein vergoldeter Trinkhornsatz – Zeichen für Gastfreundschaft und Status

  • Goldschmuck, eine Prunkfibel und kunstvoll verzierte Waffen

  • Acht Räder, die auf einen Wagen oder symbolische „Reise ins Jenseits“ hindeuten


Dieses Grab zeigt die Verbindung zwischen Macht, Religion und Ritual in der keltischen Welt. Der „Fürst“ von Hochdorf war nicht nur Krieger, sondern wohl auch religiöser Anführer, der mit Reichtum und Symbolik in die Anderswelt überging.

Das Grab von Vix – Eine Frau mit königlicher Macht

Ein weiteres spektakuläres Beispiel ist das Grab der Fürstin von Vix (Burgund, Frankreich), entdeckt 1953.Hier fanden Archäologen eine Frau, bestattet mit einem 1,64 m hohen Bronzekrater – dem größten bekannten Gefäß aus der Antike. Es stammt aus Griechenland und konnte über 1.000 Liter Wein fassen.


Neben dem Krater lagen Schmuck, eine goldene Halskrause (Torque) und kostbare Gegenstände aus dem Mittelmeerraum. Diese Funde zeigen, dass keltische Frauen in der Oberschicht hohen Status und Einfluss besaßen – möglicherweise als Priesterinnen oder Stammesführerinnen.


Der Krater von Vix steht heute als Symbol für die keltische Verbindung zwischen Nord und Süd, zwischen heimischer Kultur und mediterranem Luxus.

Heilige Orte und Kultplätze – Wo die Kelten den Göttern begegneten

Während die Griechen Tempel bauten und die Römer ihre Götter in Stein verewigten, waren die heiligen Orte der Kelten oft Teil der Natur selbst. Ihre Religion war eng mit Landschaft, Wasser und Jahreszeiten verbunden – und das spiegelt sich auch in den archäologischen Funden wider.


Das Opfermoor von Oberdorla – Ein Tor zur Anderswelt

Einer der bekanntesten keltischen Kultplätze liegt in Oberdorla (Thüringen, Deutschland). Dort fanden Archäologen tausende Opfergaben: Tierknochen, Waffen, Keramik, Schmuck – und auch menschliche Überreste. Diese Funde deuten darauf hin, dass die Kelten rituellen Opferkult betrieben, um die Götter der Fruchtbarkeit, des Wassers oder der Natur zu besänftigen.


Besonders bemerkenswert sind die deponierten Schwerter und Speerspitzen, die absichtlich unbrauchbar gemacht wurden. Das zeigt, dass sie nicht aus praktischen, sondern aus spirituellen Gründen geopfert wurden – als Gabe an die Götter oder Ahnen.


Der Glauberg – Zwischen Königtum und Kult

Der Glauberg in Hessen ist ein herausragendes Beispiel für die keltische Verbindung von Macht und Spiritualität. Hier fanden Forscher ein Fürstengrab, eine große Anlage mit Wällen, Grabhügeln und einer Steinstatue eines keltischen Herrschers – einer der wenigen figürlichen Darstellungen, die wir aus dieser Zeit kennen.


Diese Statue zeigt einen Mann mit einem Blattkranz und einer Halskette (Torque) – ein Symbol für Rang und göttliche Legitimation. Man vermutet, dass der Glauberg ein Zentrum religiöser und politischer Macht war, vergleichbar mit späteren Heiligtümern oder Königssitzen.


Gournay-sur-Aronde – Der Kult des Krieges

Im französischen Gournay-sur-Aronde wurde ein Heiligtum entdeckt, das auf den ersten Blick wie ein Schlachtfeld wirkt: Über 3.000 Waffen, Rüstungsteile und Gebeine wurden dort gefunden. Doch diese Gegenstände waren nicht die Überreste eines Krieges, sondern bewusst niedergelegte Opfergaben.


Besiegte Waffen wurden gebogen, zerbrochen oder unbrauchbar gemacht – als symbolischer Akt, um den Sieg den Göttern zu weihen. Solche Funde zeigen, dass Krieg, Religion und Ehre im keltischen Denken untrennbar verbunden waren.

Schatzfunde – Reichtum, Ritual oder Schutzzauber?

Überall in Europa tauchen immer wieder Schatzfunde aus der keltischen Zeit auf – manchmal in Flüssen, manchmal tief im Boden verborgen. Diese Schätze erzählen Geschichten von Krisen, Glauben und magischem Denken.


Der Schatz von Erstfeld – Gold und Opfer im Hochgebirge

In der Schweiz wurde in Erstfeld ein Hortfund entdeckt, bestehend aus Goldringen, Armreifen und Münzen, die etwa um 100 v. Chr. deponiert wurden. Ob sie als Gabe an die Götter oder als Schutz vor Feinden vergraben wurden, ist bis heute unklar. Doch der Ort – hoch in den Alpen – lässt vermuten, dass der Schatz eine rituelle Bedeutung hatte.


Der Schatz von Eberswalde – Ein goldenes Rätsel

Der sogenannte Eberswalder Goldschatz (gefunden in Brandenburg) umfasst über 80 Goldobjekte – Schalen, Ringe, Armreifen und Barren – mit einem Gewicht von über 2 kg. Zwar stammt er aus der späten Bronzezeit, wird aber häufig im Zusammenhang mit frühen keltischen Handels- und Kunstformen betrachtet. Er verdeutlicht die handwerkliche und symbolische Meisterschaft, die schon vor der Hochblüte der Kelten existierte.


Münzfunde – Die ersten keltischen Währungen

Die Kelten waren unter den ersten Völkern Europas, die eigene Münzen prägten. Besonders aus der La-Tène-Zeit stammen zahllose Münzfunde, die in ganz Europa verbreitet sind – oft mit abstrakten Symbolen, Tieren oder Götterdarstellungen. Sie dienten nicht nur als Zahlungsmittel, sondern hatten oft magische oder politische Bedeutung.

Ein Beispiel: Die sogenannten Regenbogenschüsselchen, kleine goldene Münzen mit gewölbter Oberfläche, wurden später in der Volksüberlieferung als vom Himmel gefallen betrachtet – ein Hinweis darauf, dass diese Funde über Jahrhunderte mythisch weiterlebten.

Alltag, Handwerk und Gesellschaft – Was Funde über das Leben der Kelten verraten

Archäologische Funde sind wie Fenster in die Vergangenheit – und bei den Kelten öffnen sie den Blick auf eine hochentwickelte, vielschichtige Gesellschaft, die weit mehr war als wilde Krieger oder mystische Druiden.


Werkzeuge und Alltagsgegenstände – Zeugen des täglichen Lebens

Aus Grabbeigaben, Siedlungen und Zufallsfunden wissen wir heute, dass die Kelten exzellente Handwerker waren. In vielen Ausgrabungen fanden sich Töpferscheiben, Spinnwirtel, Webgewichte, Messer, landwirtschaftliche Werkzeuge und sogar medizinische Instrumente.


Die Kelten nutzten Eisen, Bronze und Holz meisterhaft. Besonders in Schmiedekunst und Metallverarbeitung waren sie ihren Zeitgenossen überlegen. Selbst einfache Werkzeuge zeigen ein hohes Maß an Funktionalität und Ästhetik – etwa kunstvoll verzierte Messergriffe oder geometrische Muster auf Gebrauchsgegenständen.


Siedlungen und Häuser – Das keltische Dorfleben

Ausgrabungen in Heuneburg, Manching oder Titelberg zeigen, dass die Kelten organisierte Siedlungsstrukturen kannten. Ihre Dörfer bestanden meist aus Holz-Lehm-Häusern mit Strohdächern, die um zentrale Plätze oder Marktbereiche gruppiert waren.

Heuneburg war sogar von einer befestigten Mauer mit Lehmziegeln umgeben – eine Bauweise, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammte. Das beweist, dass es bereits kulturellen Austausch mit Griechen und Römern gab, lange bevor diese Gebiete erobert wurden.


In manchen Regionen entstanden Frühformen städtischer Zentren, sogenannte Oppida, die als Handels- und Machtzentren dienten. Hier lebten nicht nur Krieger und Fürsten, sondern auch Händler, Schmiede, Töpfer und Künstler – ein komplexes soziales Gefüge.


Kleidung und Schmuck – Ausdruck von Rang und Identität

Grabfunde zeigen, dass Kleidung und Schmuck bei den Kelten nicht nur funktional, sondern symbolisch waren. Fibelbroschen, Armringe, Torques und Gürtelverschlüsse waren oft aus Bronze, Silber oder Gold gefertigt – und trugen verzierte Muster, Spiralen, Tiermotive und keltische Symbole.


Besonders die berühmten Torques, dicke Halsringe, galten als Zeichen von Macht und göttlichem Schutz. Sie wurden sowohl von Männern als auch von Frauen getragen, oft als Grabbeigaben – was auf ihren hohen rituellen Wert schließen lässt.

Kunst und Symbolik – Der keltische Ausdruck des Göttlichen

Die keltische Kunst war einzigartig in Europa: Sie verband Abstraktion, Bewegung und Symbolik zu einem Stil, der bis heute fasziniert.


Spiralen, Knoten und Tiere – Muster mit Bedeutung

Eines der markantesten Merkmale ist das Spiel mit Spiralen, Kreisen und Knoten – Symbole für Ewigkeit, Wiedergeburt und das Ineinanderwirken der Welten. Tiere wie Eber, Hirsch, Pferd, Schlange und Rabe erscheinen häufig auf Waffen, Schmuck und Keramik – jedes mit eigener spiritueller Bedeutung.


Beispielsweise stand der Eber für Mut und Kampfgeist, der Hirsch für Fruchtbarkeit und Erneuerung, und die Schlange symbolisierte Transformation und Wissen.

Kunst als Brücke zwischen Welt und Anderswelt

Keltische Kunst war nicht nur Dekoration, sondern eine Form des spirituellen Ausdrucks. Viele Muster sollten magische oder schützende Wirkung haben – etwa auf Schilden, Helmen oder Amuletten.


Selbst alltägliche Gegenstände, wie Trinkgefäße oder Waffen, wurden zu heiligen Objekten, die den Träger mit göttlicher Kraft verbinden sollten. Dieser Glaube, dass Kunst und Spiritualität untrennbar sind, ist ein zentraler Aspekt der keltischen Kultur, den wir aus Grabfunden und Heiligtümern rekonstruieren können.

Fazit – Archäologie als Schlüssel zur keltischen Seele

Die archäologischen Funde der Kelten erzählen eine Geschichte, die zwischen Mythos und Realität schwebt. Sie zeigen ein Volk, das technologisch fortschrittlich, gesellschaftlich organisiert und tief spirituell war.


Ob kunstvoll gearbeitete Schmuckstücke, mächtige Kriegswaffen oder rituelle Opferstätten – sie alle bezeugen, dass die Kelten eine reiche Kultur der Symbole, Mythen und Handwerkskunst pflegten.


Jeder Fund – vom keltischen Helm bis zur goldenen Fibel – bringt uns der Antwort näher, wer die Kelten wirklich waren: keine barbarischen Stämme, sondern Schöpfer einer Kultur, die Natur, Geist und Kunst auf einzigartige Weise verband.

FAQ: Häufige Fragen zu keltischen Funden

Was war der wichtigste keltische Fund?

Das Fürstengrab von Hochdorf zählt zu den bedeutendsten, da es eine außergewöhnliche Kombination aus Reichtum, Handwerk und Ritual zeigt.

Woher wissen wir so viel über die Kelten?

Da die Kelten selbst kaum schriftliche Aufzeichnungen hinterließen, stammen unsere Kenntnisse vor allem aus archäologischen Funden und römischen Quellen.

Warum wurden so viele Waffen geopfert?

Waffenopfer symbolisierten Dank oder Bitte an die Götter. Durch das „Unbrauchbarmachen“ der Waffen wurden sie den Menschen entzogen und den Göttern übergeben.

Was sagen die Kunstwerke über den Glauben der Kelten aus?

Die Symbole und Tiermotive zeigen, dass die Kelten alles Lebendige als Teil eines spirituellen Kreislaufs sahen – Natur, Mensch und Gottheit standen in enger Verbindung.

Wenn dich die geheimnisvolle Welt der Kelten fasziniert, findest du auf meinem Blog noch viele weitere Artikel zu ihren Göttern, Ritualen und Mythen.


Erfahre mehr über ihre Feste, Religion und den Einfluss auf Europa – und tauche ein in eine Kultur, die bis heute nachhallt

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