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Der Wikingerschatz von Spillings – Der größte Silberschatz der Wikingerzeit

  • Autorenbild: Michael Praher
    Michael Praher
  • 29. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Symbolbild des Schatzes von Spilling


Der Spillings-Schatz zählt zu den spektakulärsten archäologischen Entdeckungen Nordeuropas. Kein anderer Fund aus der Wikingerzeit ist so umfangreich, so vielfältig und so aussagekräftig wie dieser gewaltige Silberschatz, der 1999 auf der schwedischen Insel Gotland ans Licht kam. Mit über 67 Kilogramm Silber – verteilt auf Münzen, Barren, Schmuckfragmente und Schmelzmaterial – ist er bis heute der größte bekannte Silberschatz der gesamten Wikingerwelt.


Doch der Fund ist mehr als ein Schatz: Er ist ein Fenster in die wirtschaftlichen Netzwerke der Wikinger, in die Kunstfertigkeit gotländischer Handwerker und in die globalen Verbindungen eines Zeitalters, das längst nicht mehr nur als regionales Phänomen zu verstehen ist. Der Spillings-Schatz erzählt von Handel, Reichtum, Macht – und vom erstaunlichen Einfluss einer kleinen baltischen Insel auf die große Weltgeschichte.

Die Entdeckung des Spillings-Schatzes

Ein heißer Julitag und ein Metalldetektor

Am 16. Juli 1999 machten zwei Metalldetektorspezialisten im Auftrag des Gotlands Museums eine unscheinbare Messung auf einem Feld nahe des Dorfes Spillings. Der erste metallische Ausschlag wirkte harmlos – doch bald stellte sich heraus, dass sie auf ein enorm konzentriertes Metallvorkommen gestoßen waren.

Was zunächst wie ein gewöhnlicher Bodenschatz aussah, entpuppte sich schnell als historischer Sensationsfund.


Archäologische Ausgrabungen

In kurzer Zeit identifizierten die Archäologen drei voneinander getrennte Schatzdepots, die dicht beieinander vergraben waren. Die Ausgrabungen mussten unter Zeitdruck und streng kontrolliert durchgeführt werden, denn die Fülle des Materials war überwältigend.

Schon nach wenigen Stunden war klar:Dies war der größte Schatzfund der Wikingerzeit, der je entdeckt wurde.

Aufbau des Schatzes – Drei Depots, ein globales Netzwerk

Das Westdepot – Rohmaterial und Schmuck

Das westliche Depot enthielt vor allem:

  • Silberfragmente

  • Armreifen

  • Ringe

  • Schmelzstücke

  • zerhacktes Silber (sog. Hacksilber)


Diese Form des „zerschnittenen Silbers“ zeigt, wie die Wikinger wirtschafteten: Silber war Währung, Rohstoff und Tauschmittel zugleich.


Das Ostdepot – Der Münzschatz

Der zweite Fund war der spektakulärste: ein gigantischer Münzschatz mit über 14.000 Münzen. Davon kam die überwältigende Mehrheit aus dem islamischen Raum – besonders aus Zentralasien, Persien und dem Kalifat.

Viele Münzen lagen unzirkuliert vor, einige trugen noch arabische Segenssprüche und Kalifeninschriften.


Das Norddepot – Ein kleines, aber bedeutendes Drittdepot

Das dritte Depot war kleiner, enthielt aber ebenfalls Münzen, Hacksilber und Schmuckfragmente. Es zeigt, dass der Ort über lange Zeiträume genutzt wurde und dass möglicherweise mehrere Generationen denselben Versteckplatz kannten.

Was der Spillings-Schatz über die Wikinger verrät

Handelswege der Superlative

Gotland war kein Randgebiet des Nordens – es war ein Knotenpunkt internationaler Handelsrouten. Der Schatz liefert Beweise für weitreichende Verbindungen:


  • Der arabisch-persische Raum lieferte den größten Teil des Silbers.

  • Osteuropa war Transitgebiet für Karawanen und Händler.

  • Birka, Kaupang, Hedeby und Staraja Ladoga fungierten als „Drehscheiben“.

  • Die Rus-Händler spielten eine zentrale Rolle im Austausch zwischen Ost und Nord.


Der Spillings-Schatz macht klar: Die Wikinger waren Teil eines globalen Wirtschaftssystems.


Reichtum und Macht auf Gotland

Gotland war in der Wikingerzeit außergewöhnlich wohlhabend. Allein auf der Insel wurden über 700 Silberschätze gefunden – weit mehr als in jedem anderen Teil der Welt.

Der Spillings-Schatz zeigt, dass einzelne Höfe über gewaltige Vermögen verfügen konnten. Das deutet auf:

  • blühenden Handel

  • wohlorganisierte Gemeinschaften

  • starke familiäre Netzwerke

  • hohe soziale Mobilität


Gotländische Handwerkskunst

Viele der Schmuckstücke zeigen typische gotländische Stilmerkmale: filigrane Muster, ineinander verschlungene Tierstile und elegante Armspangen.

Dabei sind vor allem die geschmiedeten Armreifen bedeutsam – sie waren oft standardisiert und dienten als Silbergewichte, Zahlungsmittel und Statussymbole zugleich.

Warum wurde der Schatz vergraben?

Die Gründe sind nicht eindeutig zu klären, aber mehrere Theorien sind wahrscheinlich:


Schutz in Krisenzeiten

Der Schatz wurde vermutlich während politischer Unruhen oder Bedrohungen vergraben. Dass drei Depots existieren, legt nahe, dass mehrmals oder zu verschiedenen Zeiten Schätze versteckt wurden.


Langfristige Lagerung

Es ist möglich, dass der Schatz Teil eines systematischen „Silberlagers“ war – quasi ein Depot für Handel oder Produktion.


Tod des Besitzers

Vielleicht starb der Besitzer unerwartet oder war nicht in der Lage, den Schatz wiederzuheben.


Der Fundort befand sich jedenfalls in unmittelbarer Nähe einer damaligen Hofanlage, sodass es sich eindeutig um Privateigentum handelte.

Die globale Spur des Silbers – Von Bagdad nach Gotland

Arabische Münzen als Schlüssel

Über 90 % der Münzen stammen aus dem arabischen Raum. Sie tragen Inschriften berühmter Kalifen, etwa:

  • Al-Mansur

  • Harun ar-Raschid

  • Al-Ma'mun


Dies zeigt, dass das Silber über die Seidenstraße, Wolga-Handelswege und russische Flussnetzwerke seinen Weg nach Norden fand.


Wirtschaftliche Bedeutung

Silber war der Motor der Wikingerzeit. Ohne diese Flüsse von Edelmetall wären viele Handelszentren des Nordens nie entstanden.

Der Spillings-Schatz ist ein perfektes Beispiel dafür, wie eng verknüpft die Welt bereits vor über 1000 Jahren war.

Historische Bedeutung des Spillings-Schatzes

Der Schatz ist nicht nur ein Rekordfund, sondern ein Schlüssel zur Wikingerforschung:

  • Er zeigt die enorme Reichweite skandinavischer Handelsnetzwerke.

  • Er beweist Gotlands Rolle als zentraler Umschlagplatz Silberbasierter Ökonomie.

  • Er dokumentiert die Verschmelzung verschiedener Kulturen.

  • Er liefert Erkenntnisse über das tägliche Leben, Handwerk und Wertsystem der Wikinger.


Der Spillings-Schatz ist heute im Gotlands Museum in Visby ausgestellt und gehört zu den bedeutendsten Sammlungen weltweit.

Verwandte Schätze der Wikingerzeit

Der Spillings-Schatz steht in einer Reihe bedeutender Funde, darunter:

  • Der Cuerdale-Schatz (England)

  • Der Silverdale-Schatz (England)

  • Die Münzschätze von Hedeby

  • Die gotländischen Silberschätze von Burge und Ose

Doch keiner übertrifft in Umfang und Detailliertheit den Fund von Spillings.

Fazit: Ein Schatz, der die Geschichte neu schreibt

Der Wikingerschatz von Spillings ist ein Monument des globalen Mittelalters. Er zeigt eindrucksvoll, wie vernetzt die Welt der Wikinger war – wirtschaftlich, kulturell und politisch.

Gotland war kein abgelegener Außenposten, sondern ein pulsierender Knotenpunkt zwischen Ost und West. Der Spillings-Schatz erzählt diese Geschichte in Silber: in Münzen aus arabischen Reichen, in kunstvollen gotländischen Armringen und in fragmentierten Silberstücken, die einst durch geschickte Hände gingen.

Er ist nicht nur der größte Schatz der Wikingerzeit – er ist einer der wichtigsten.

FAQ zum Spillings-Schatz

Wie schwer ist der Spillings-Schatz?

Insgesamt über 67 Kilogramm Silber – damit der größte bekannte Wikingerschatz.

Welche Art von Objekten umfasst der Schatz?

Münzen, Hacksilber, Schmuck, Rohmaterial und Barren.

Wo wurde der Schatz gefunden?

Nahe dem Dorf Spillings auf der schwedischen Insel Gotland.

Warum war Gotland so wichtig für die Wikinger?

Die Insel lag strategisch perfekt für den Handel zwischen Ost und West und war extrem wohlhabend.

Wo befindet sich der Schatz heute?

Im Gotlands Museum in Visby, bestens konserviert und ausgestellt.

Wenn dich die faszinierende Welt der Wikingerfunde begeistert, findest du auf meinem Blog viele weitere Artikel über Schätze, Runensteine, Schiffe und die Kultur der Nordmänner. Schau hinein, vertiefe dein Wissen und entdecke die Geschichte des Nordens in all ihren Facetten.

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