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Die Schöpfung der Welt in der nordischen Mythologie – Von Ginnungagap bis Ragnarök

  • vor 3 Stunden
  • 11 Min. Lesezeit
Fantasy-Poster zur nordischen Mythologie: Odin, Thor und Weltenbaum; Titel: Die Schöpfung der Welt, von Ginnungagap bis Ragnarök.


Wie entstand die Welt? Woher kamen die Götter, die Menschen und die geheimnisvollen Wesen der nordischen Mythologie? Diese Fragen beschäftigten die Menschen Skandinaviens lange bevor das Christentum den Norden erreichte. Ihre Antworten unterschieden sich grundlegend von den Schöpfungsmythen anderer Kulturen. Statt einer Welt, die von einem allmächtigen Schöpfer in wenigen Tagen erschaffen wurde, erzählten die Nordmänner von einem gewaltigen kosmischen Prozess, in dem Feuer und Eis aufeinandertrafen, Riesen geboren wurden und aus dem Körper eines Urwesens schließlich die gesamte Welt entstand.


Die nordische Schöpfungsgeschichte ist jedoch weit mehr als eine Erzählung über den Anfang aller Dinge. Sie beschreibt einen ewigen Kreislauf aus Entstehung, Wachstum, Zerstörung und Erneuerung. Alles, was geboren wird, trägt bereits den Keim seines Endes in sich – selbst die mächtigen Götter. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte nordische Mythologie und erreicht seinen Höhepunkt in Ragnarök, der Götterdämmerung.


Unser Wissen über diese Vorstellungen stammt vor allem aus der Lieder-Edda und der Prosa-Edda, die im 13. Jahrhundert auf Island niedergeschrieben wurden. Obwohl sie erst nach der Christianisierung entstanden, bewahren sie zahlreiche ältere Überlieferungen aus der heidnischen Zeit und bilden die wichtigste Grundlage für unser heutiges Verständnis der nordischen Kosmologie.

Die Leere vor der Schöpfung

Ginnungagap – Der gähnende Abgrund

Am Anfang existierte weder Himmel noch Erde.

Es gab keine Sonne, keinen Mond und keine Sterne. Keine Menschen, keine Götter und keine Tiere bevölkerten das Universum. Stattdessen bestand lediglich Ginnungagap – der gewaltige, gähnende Abgrund.

Dieser Ort war kein leerer Raum im modernen Sinn. Vielmehr stellte Ginnungagap einen grenzenlosen Urzustand dar, in dem noch keine Ordnung existierte. Es gab weder Zeit noch bekannte Naturgesetze. Alles befand sich in einem Zustand ursprünglicher Möglichkeiten.


Die Vorstellung einer solchen Leere findet sich auch in anderen Kulturen. In der nordischen Mythologie besitzt Ginnungagap jedoch eine ganz besondere Funktion. Es ist der Raum, in dem die gegensätzlichen Urkräfte erstmals aufeinandertreffen und dadurch die Schöpfung überhaupt ermöglichen.


Feuer und Eis

An den beiden Enden Ginnungagaps lagen zwei grundverschiedene Reiche.

Im Norden befand sich Niflheim, eine Welt aus Eis, Nebel und klirrender Kälte. Dort entsprang die Quelle Hvergelmir, aus der zahlreiche eisige Flüsse hervorgingen.


Im Süden lag Muspelheim – das Reich des Feuers. Dort herrschten unvorstellbare Hitze, Flammen und glühendes Licht. Muspelheim wurde vom Feuerriesen Surtr bewacht, dessen flammendes Schwert später eine entscheidende Rolle bei Ragnarök spielen sollte.


Zwischen diesen beiden Extremen erstreckte sich Ginnungagap.

Als die eisigen Ströme aus Niflheim in Richtung des warmen Südens flossen, begannen sie zu schmelzen. Aus den schmelzenden Eisblöcken entstand schließlich das erste Leben.


Die Welt entstand somit nicht durch einen bewussten Schöpfungsakt, sondern aus dem Zusammentreffen gegensätzlicher Naturkräfte.

Ymir – Das erste Wesen

Der Urriese

Aus den schmelzenden Eismassen entstand Ymir.

Er war der erste lebende Riese und gilt als Stammvater aller Frostriesen. Die Überlieferungen beschreiben ihn als gewaltiges Urwesen, das noch keiner geordneten Welt angehörte.


Während Ymir schlief, entstanden aus seinem Körper weitere Riesen. Aus seinem Schweiß wuchsen neue Wesen hervor, wodurch sich das Geschlecht der Riesen ausbreitete.

Die Riesen waren somit älter als die Götter.


Dieser Umstand erklärt, weshalb sie in den Mythen oft als uralte Naturmächte erscheinen, die bereits existierten, bevor Asgard oder Midgard überhaupt erschaffen wurden.


Die Urkuh Auðhumla

Gemeinsam mit Ymir entstand ein weiteres Wesen: die gewaltige Urkuh Auðhumla.

Sie ernährte Ymir mit ihrer Milch und sicherte dadurch sein Überleben. Gleichzeitig fand sie selbst Nahrung, indem sie salzige Eisblöcke ableckte.


Gerade dieses unscheinbare Detail besitzt eine enorme Bedeutung.

Während Auðhumla das Eis ableckte, kam nach und nach ein weiterer Körper zum Vorschein.


Am ersten Tag erschien das Haar.

Am zweiten Tag wurden Kopf und Gesicht sichtbar.

Am dritten Tag trat schließlich der gesamte Körper hervor.

Aus dem Eis wurde Búri geboren – der erste Gott.

Damit beginnt die eigentliche Geschichte der Götter.

Die ersten Götter entstehen

Búri und Borr

Über Búri selbst berichten die Quellen nur wenig.

Er gilt als Ahnherr der Götter und zeugte einen Sohn namens Borr.

Borr heiratete die Riesin Bestla.


Diese Verbindung ist bemerkenswert, denn sie zeigt bereits zu Beginn der Schöpfungsgeschichte, dass Götter und Riesen nicht ausschließlich Feinde waren. Mehrfach gehen bedeutende Gottheiten aus Beziehungen zwischen beiden Geschlechtern hervor.


Aus der Verbindung von Borr und Bestla wurden schließlich drei Söhne geboren:

Odin, Vili und Vé.

Diese drei Brüder sollten das Schicksal der gesamten Welt verändern.

Die Erschaffung der Welt

Der Kampf gegen Ymir

Odin und seine Brüder erkannten, dass aus dem ungeordneten Zustand der Urwelt keine lebensfreundliche Ordnung entstehen konnte.


Deshalb stellten sie sich Ymir entgegen.

Nach einem gewaltigen Kampf töteten sie den Urriesen.

Mit seinem Tod begann die eigentliche Schöpfung der Welt.


Dieses Motiv unterscheidet die nordische Mythologie deutlich von vielen anderen Schöpfungsmythen. Die Welt entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Körper eines bereits existierenden Wesens.

Der Tod wird zur Voraussetzung neuen Lebens.


Aus Ymirs Körper entsteht die Welt

Die drei Brüder formten aus Ymirs Körper das gesamte Universum.


Aus seinem Fleisch entstand die Erde.

Sein Blut wurde zu Meeren, Seen und Flüssen.

Aus seinen Knochen entstanden die Gebirge.

Seine Zähne und Knochensplitter wurden zu Felsen und Steinen.

Sein Schädel bildete das Himmelsgewölbe.

Aus seinem Gehirn entstanden die Wolken.


Schließlich setzten die Götter vier Zwerge an die Himmelsrichtungen, damit sie den Himmel tragen konnten.


Sie trugen die Namen Nordri, Sudri, Austri und Vestri – Norden, Süden, Osten und Westen.

Auf diese Weise erhielt die Welt ihre endgültige Gestalt.

Yggdrasil – Der Weltenbaum

Das Herz des Universums

Nachdem Odin und seine Brüder die Welt aus Ymirs Körper erschaffen hatten, entstand die kosmische Ordnung. Ihr Mittelpunkt war Yggdrasil, die gewaltige Weltenesche.


Yggdrasil ist weit mehr als ein gewöhnlicher Baum. Er verbindet Himmel, Erde und Unterwelt miteinander und bildet die Achse des gesamten Universums. Alle neun Welten sind auf unterschiedliche Weise mit ihm verbunden. Seine mächtigen Wurzeln reichen tief in verschiedene Reiche, während seine Krone weit über die Welt der Götter hinausragt.


Für die Menschen der Wikingerzeit symbolisierte Yggdrasil das Leben selbst. Wie ein Baum ständig wächst, Blätter verliert und neue Triebe bildet, so verstanden auch die Nordmänner die Welt als einen Kreislauf aus Werden und Vergehen.


Die drei Wurzeln

Nach den Überlieferungen besitzt Yggdrasil drei gewaltige Wurzeln.

Eine reicht nach Asgard zu den Göttern.


Eine zweite führt nach Jötunheim, dem Reich der Riesen.

Die dritte reicht tief nach Niflheim zur Quelle Hvergelmir, wo der Drache Nidhöggr unaufhörlich an den Wurzeln nagt.


An einer weiteren bedeutenden Quelle, dem Urdbrunnen, leben die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld. Sie bestimmen das Schicksal aller Lebewesen und pflegen den Weltenbaum täglich mit Wasser und heilendem Schlamm, damit er nicht verdorrt.


Yggdrasil ist somit kein statisches Gebilde. Er lebt, leidet und altert – genau wie die Welt selbst.

Die Neun Welten

Eine kosmische Ordnung

Die Nordmänner stellten sich das Universum nicht als einen einzigen Ort vor. Stattdessen bestand es aus neun miteinander verbundenen Welten.


Zu ihnen gehörten:

Jede dieser Welten erfüllte eine eigene Aufgabe innerhalb der kosmischen Ordnung. Gemeinsam bildeten sie ein fein ausbalanciertes Gefüge, dessen Bestand jedoch niemals selbstverständlich war.

Die Erschaffung der Menschen

Ask und Embla

Nachdem die Welt geordnet war, erschufen Odin und seine Brüder die ersten Menschen.

Am Meeresufer fanden sie zwei Baumstämme.


Aus einer Esche entstand Ask.

Aus einer Ulme – nach manchen Deutungen auch einer anderen Baumart – entstand Embla.


Doch zunächst waren beide lediglich leblose Körper.

Erst die drei Brüder verliehen ihnen das, was einen Menschen ausmacht.

Odin schenkte ihnen den Atem und das Leben.


Vili gab ihnen Verstand und Bewusstsein.

Vé verlieh ihnen Sinne, Sprache und ihr äußeres Erscheinungsbild.

So entstanden die ersten Menschen, die fortan Midgard bewohnten.


Midgard – Die Welt der Menschen

Zum Schutz der Menschen errichteten die Götter Midgard.

Nach der Überlieferung verwendeten sie dafür Ymirs Augenbrauen, aus denen eine gewaltige Umfriedung entstand.


Diese schützte die Menschen vor den Gefahren der Außenwelt und insbesondere vor den Riesen.

Der Name Midgard bedeutet „Mittlere Umfriedung“ oder „Mittlere Welt“ und verdeutlicht die Stellung der Menschen zwischen den Mächten des Kosmos.

Die Rolle der Götter und der mythischen Wesen

Die Asen

Die Asen bildeten das bekannteste Göttergeschlecht.

Zu ihnen gehörten unter anderem Odin, Thor, Frigg, Tyr, Heimdall, Baldr und viele weitere Gottheiten.

Sie standen für Ordnung, Herrschaft, Krieg, Weisheit und den Schutz der Welt.


Die Wanen

Neben den Asen existierte ein zweites Göttergeschlecht.

Die Wanen wurden besonders mit Fruchtbarkeit, Wohlstand, Frieden und einer engen Verbindung zur Natur in Verbindung gebracht.


Zu den bekanntesten Wanen zählen Njörd sowie seine Kinder Freyr und Freyja.

Nach dem Krieg zwischen Asen und Wanen schlossen beide Seiten Frieden und lebten fortan gemeinsam in Asgard.


Riesen, Zwerge und Elben

Die Riesen waren keineswegs bloß böse Gegner der Götter. Sie verkörperten häufig ursprüngliche Naturkräfte und spielten bei zahlreichen Ereignissen eine wichtige Rolle. Viele Götter stammten sogar teilweise von Riesen ab.


Die Zwerge galten als meisterhafte Schmiede. Sie erschufen einige der berühmtesten Gegenstände der Mythologie, darunter Mjölnir, Odins Speer Gungnir und den Goldring Draupnir.

Die Lichtalben wurden mit Schönheit, Licht und Fruchtbarkeit verbunden, während über die Dunkelalben deutlich weniger gesicherte Informationen überliefert sind.


Gemeinsam bildeten diese Wesen eine vielschichtige Welt, in der nicht alles eindeutig gut oder böse war.

Das Schicksal bestimmt alles

Die Nornen

Selbst die Götter standen nicht über dem Schicksal.


Dieses wurde von den drei Nornen bestimmt.

Urd verkörperte die Vergangenheit.

Verdandi stand für die Gegenwart.

Skuld repräsentierte die Zukunft.


Am Urdbrunnen webten sie die Lebensfäden aller Wesen.

Nicht einmal Odin konnte ihrem Urteil entkommen.


Wyrd – Das unausweichliche Schicksal

Die Nordmänner glaubten an Wyrd – das große Geflecht des Schicksals.

Jede Handlung beeinflusste die Zukunft.


Dennoch gab es Ereignisse, die unvermeidbar waren.

Gerade Ragnarök gehörte zu diesen unausweichlichen Schicksalen.

Die Götter kannten ihren Untergang.

Trotzdem kämpften sie weiter.


Gerade darin lag für die Menschen der Wikingerzeit wahre Größe: Nicht der sichere Sieg machte einen Helden aus, sondern der Mut, trotz eines bekannten Schicksals nicht aufzugeben.

Ragnarök – Das Ende der alten Welt

Der Beginn der Götterdämmerung

Für die Menschen der Wikingerzeit war die Schöpfung der Welt kein einmaliges Ereignis. Ebenso wie alles einen Anfang hatte, musste auch alles eines Tages enden. Dieser Gedanke war ein zentraler Bestandteil ihres Weltbildes. Selbst die mächtigsten Götter waren dem Schicksal unterworfen.

Dieses vorherbestimmte Ende trägt den Namen Ragnarök, oft als „Schicksal der Götter“ oder „Götterdämmerung“ übersetzt.


Die Überlieferungen beschreiben Ragnarök nicht als plötzliche Katastrophe, sondern als eine Entwicklung, die sich über längere Zeit ankündigt. Moralischer Verfall, Kriege unter den Menschen und der Zusammenbruch der natürlichen Ordnung leiten den Untergang ein.


Besonders eindrucksvoll ist der sogenannte Fimbulwinter – ein außergewöhnlich harter Winter, der drei Jahre andauern soll, ohne dass ein Sommer dazwischenliegt. Hunger, Kälte und Gewalt breiten sich aus, bevor schließlich die letzten Grenzen zwischen den Welten fallen.


Der letzte Kampf

Wenn Ragnarök beginnt, lösen sich die Fesseln vieler mächtiger Wesen.

Fenrir befreit sich aus seiner Gefangenschaft.


Jörmungandr erhebt sich aus dem Meer und überschwemmt weite Teile der Welt.

Loki kehrt als Gegner der Götter zurück und führt gemeinsam mit den Riesen und den Toten den Angriff auf Asgard an.


Aus Muspelheim marschiert Surtr mit seinem flammenden Schwert heran und führt die Feuerwesen in die letzte Schlacht.


Die Bifröst, die Regenbogenbrücke zwischen Midgard und Asgard, zerbricht unter dem Ansturm der Feinde.


Auf der Ebene Vígríðr treffen schließlich Götter und ihre Gegner zur entscheidenden Schlacht aufeinander.


Der Untergang der Götter

Die großen Götter stellen sich ihren vorherbestimmten Gegnern.

Odin kämpft gegen Fenrir und wird von dem gewaltigen Wolf verschlungen. Kurz darauf rächt sein Sohn Vidar den Tod des Allvaters und tötet Fenrir.


Thor begegnet seinem Erzfeind Jörmungandr. Nach einem erbitterten Kampf erschlägt er die Midgardschlange mit Mjölnir. Doch nur wenige Schritte später bricht auch Thor zusammen, vergiftet durch das tödliche Gift seines Gegners.


Freyr stellt sich Surtr entgegen. Da er sein magisches Schwert zuvor abgegeben hat, kämpft er mit einer unterlegenen Waffe und fällt im Kampf gegen den Feuerriesen.


Tyr besiegt den Höllenhund Garm, stirbt jedoch selbst an dessen Verletzungen.

Heimdall und Loki töten einander in ihrem letzten Zweikampf.


Am Ende setzt Surtr mit seinem flammenden Schwert die gesamte Welt in Brand. Feuer verschlingt Himmel und Erde, bis schließlich alles im Meer versinkt.

Die alte Ordnung ist vergangen.

Der Neubeginn nach Ragnarök

Eine neue Welt erhebt sich

Doch Ragnarök bedeutet nicht das endgültige Ende.

Nachdem die Flammen erloschen sind und die Wasser sich zurückgezogen haben, erhebt sich eine neue Erde aus dem Meer. Sie ist fruchtbar, unberührt und frei von den Zerstörungen der alten Welt.


Dieser Gedanke unterscheidet die nordische Mythologie von vielen anderen Weltuntergangsvorstellungen. Die Götterdämmerung ist keine endgültige Vernichtung, sondern Teil eines größeren Kreislaufs.

Aus dem Ende entsteht ein neuer Anfang.


Die überlebenden Götter

Nicht alle Götter sterben während Ragnarök.

Mehrere Gottheiten überleben und bauen die Welt neu auf.


Zu ihnen gehören:

  • Vidar und Vali, die Söhne Odins.

  • Magni und Modi, die Söhne Thors, welche Mjölnir übernehmen.

  • Höðr und Baldr, die nach ihrem Tod zurückkehren und gemeinsam eine neue Zeit einleiten.


Sie versammeln sich auf dem Feld Iðavöllr, wo einst Asgard stand, und erinnern sich an die Ereignisse der vergangenen Welt.


Die Erinnerung bleibt erhalten – doch die Zukunft beginnt neu.


Die Menschen nach Ragnarök

Auch die Menschheit endet nicht vollständig.


Ein Mann namens Líf und eine Frau namens Lífthrasir überleben die Katastrophe, indem sie sich im Wald Hoddmímis Holt verbergen. Dort werden sie von Morgentau ernährt, bis die Gefahr vorüber ist.


Nach Ragnarök verlassen sie ihr Versteck und werden zu den Stammeltern einer neuen Menschheit.

Damit schließt sich der Kreis der Schöpfung.

Das Weltbild der Nordmänner

Ein Kreislauf statt eines endgültigen Endes

Die nordische Mythologie zeichnet sich durch ein zyklisches Weltverständnis aus. Anders als lineare Schöpfungserzählungen beschreibt sie keinen einmaligen Anfang und kein endgültiges Ende. Vielmehr folgt auf jede Phase der Ordnung eine Zeit des Chaos – und aus dem Chaos entsteht wiederum eine neue Ordnung.


Dieser Gedanke spiegelt sich in vielen Bereichen des Lebens wider. Die Jahreszeiten wechseln, Pflanzen sterben und treiben erneut aus, Generationen kommen und gehen. Auch die Welt selbst unterliegt diesem ewigen Kreislauf.


Ragnarök ist deshalb nicht allein eine Geschichte über den Untergang der Götter. Es ist zugleich eine Erzählung über Hoffnung und Erneuerung.


Was wir heute daraus lernen können

Die Schöpfungsgeschichte der Nordmänner vermittelt Werte, die bis heute faszinieren. Sie zeigt, dass Veränderung ein natürlicher Teil des Lebens ist und dass selbst schwere Krisen den Beginn von etwas Neuem ermöglichen können.


Ebenso eindrucksvoll ist die Haltung der Götter gegenüber ihrem Schicksal. Sie wissen, dass sie Ragnarök nicht verhindern können. Dennoch stellen sie sich ihrem Schicksal mit Mut, Ehre und Entschlossenheit.

Für die Menschen der Wikingerzeit lag wahre Größe nicht darin, dem Tod zu entkommen, sondern trotz seines Wissens um das Ende das Richtige zu tun.

Fazit: Eine Welt zwischen Chaos und Hoffnung

Die nordische Schöpfungsgeschichte gehört zu den faszinierendsten Mythen Europas. Sie beginnt nicht mit einem allmächtigen Schöpfer, sondern mit dem Zusammentreffen von Feuer und Eis, aus dem Leben entsteht. Aus dem Körper des Urriesen Ymir formen Odin und seine Brüder die Welt, erschaffen die Menschen und begründen eine kosmische Ordnung, die von Göttern, Riesen und vielen weiteren Wesen bewohnt wird.


Doch diese Ordnung ist niemals dauerhaft. Von Anfang an ist sie Teil eines größeren Kreislaufs, in dem Schöpfung und Zerstörung untrennbar miteinander verbunden sind. Ragnarök bildet dabei nicht das endgültige Ende, sondern den Übergang in eine neue Welt.


Gerade dieser Gedanke macht die nordische Mythologie bis heute so außergewöhnlich. Sie erzählt nicht nur von Göttern und Helden, sondern von Vergänglichkeit, Verantwortung und der Hoffnung, dass nach jedem Ende ein neuer Anfang möglich ist.

FAQ – Die Schöpfung der Welt in der nordischen Mythologie

Wie entstand die Welt nach nordischem Glauben?

Nach der nordischen Mythologie entstand die Welt, als die eisigen Kräfte Niflheims auf die Hitze Muspelheims trafen. Aus dem Körper des Urriesen Ymir formten Odin, Vili und Vé später Himmel, Erde und Meere.

Ymir war der erste Riese und das erste lebende Wesen der Schöpfung. Nach seinem Tod erschufen die Götter aus seinem Körper die Welt.

Yggdrasil ist der Weltenbaum der nordischen Mythologie. Er verbindet die Neun Welten und bildet das Zentrum des kosmischen Universums.

Odin sowie seine Brüder Vili und Vé erschufen Ask und Embla aus zwei Baumstämmen und schenkten ihnen Leben, Verstand und Sinne.

Nein. Nach Ragnarök entsteht eine neue, fruchtbare Welt. Mehrere Götter überleben, und auch zwei Menschen – Líf und Lífthrasir – begründen eine neue Menschheit.

Die nordische Mythologie erzählt nicht nur von mächtigen Göttern und gewaltigen Schlachten. Sie vermittelt ein einzigartiges Weltbild, in dem Schöpfung, Schicksal und Erneuerung untrennbar miteinander verbunden sind. Gerade dieser Gedanke macht die alten Überlieferungen bis heute so faszinierend.


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