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Gefjon – Die Göttin der Jungfräulichkeit, Fruchtbarkeit und des Ackerbaus

  • vor 45 Minuten
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Kriegerische Frau lenkt Ochsenwagen auf Feld unter Gewitterhimmel; Text: GEFJON – Göttin der Jungfräulichkeit und des Ackerbaus.


Verglichen mit Göttern wie Odin, Thor oder Freyja gehört Gefjon zu den weniger bekannten Gestalten der nordischen Mythologie. Dennoch nimmt sie innerhalb der altnordischen Überlieferung eine bemerkenswerte Stellung ein. Sie wird mit Ackerbau, Fruchtbarkeit, Landgewinnung und der Jungfräulichkeit in Verbindung gebracht und spielt zugleich eine zentrale Rolle in einer der bekanntesten Gründungssagen Skandinaviens – der Entstehung der Insel Seeland.


Gefjon vereint Eigenschaften, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Einerseits gilt sie als Beschützerin unverheirateter Frauen und wird häufig als jungfräuliche Göttin beschrieben. Andererseits steht sie für Fruchtbarkeit, den fruchtbaren Boden und die Fähigkeit, neues Land zu schaffen. Dieser scheinbare Gegensatz zeigt, wie vielschichtig die nordische Mythologie war. Fruchtbarkeit bezog sich nicht ausschließlich auf den Menschen, sondern ebenso auf Felder, Landschaften und das Gedeihen einer ganzen Gemeinschaft.


Obwohl Gefjon in den erhaltenen Quellen nur selten erwähnt wird, besitzt sie eine außergewöhnliche mythologische Bedeutung. Ihre bekannteste Erzählung verbindet göttliche Klugheit mit übernatürlicher Kraft und erklärt zugleich auf poetische Weise die Entstehung einer der wichtigsten Regionen Dänemarks.

Wer war Gefjon wirklich? Welche Aufgaben wurden ihr zugeschrieben? Und weshalb spielt sie bis heute eine wichtige Rolle im kulturellen Gedächtnis Skandinaviens?

Wer war Gefjon?

Eine Göttin der Asen

Gefjon gehört zu den Asen und wird bereits in den ältesten erhaltenen Quellen der nordischen Mythologie erwähnt. Sowohl die Prosa-Edda des Snorri Sturluson als auch die Lieder-Edda nennen sie als eigenständige Göttin innerhalb des nordischen Pantheons.


Im Gegensatz zu vielen anderen Gottheiten wird sie jedoch nur mit wenigen ausführlichen Mythen verbunden. Gerade deshalb mussten Historiker und Sprachwissenschaftler ihre Rolle aus verstreuten Hinweisen rekonstruieren.


Dabei zeigt sich, dass Gefjon keineswegs eine unbedeutende Randfigur war. Vielmehr gehörte sie zu jenen Gottheiten, deren Aufgaben eng mit dem Alltag der Menschen verbunden waren.


Die Bedeutung ihres Namens

Die Herkunft ihres Namens ist nicht vollständig geklärt.

Viele Sprachwissenschaftler führen ihn auf ein altnordisches Wort zurück, das mit „geben“, „schenken“ oder „Spenderin“ verwandt sein könnte. Diese Deutung passt gut zu ihrer Verbindung mit fruchtbarem Land und reichen Ernten.


Andere Forscher sehen in ihrem Namen allgemein den Gedanken des Gebens und Hervorbringens verwirklicht.


Beide Interpretationen unterstreichen Gefjons Rolle als Göttin, die neues Leben und neue Lebensgrundlagen entstehen lässt.

Gefjon als Göttin des Ackerbaus

Die Bedeutung der Landwirtschaft in der Wikingerzeit

Um Gefjons Rolle zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Lebenswelt der Nordmänner.

Obwohl die Wikinger heute vor allem als Seefahrer und Krieger bekannt sind, bestand der Alltag der meisten Menschen aus Landwirtschaft. Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage des Überlebens. Gute Ernten entschieden darüber, ob eine Familie den Winter überstehen konnte.


Der Boden war daher weit mehr als bloßer Besitz. Er war Lebensgrundlage, Wohlstand und Zukunft zugleich.


Eine Göttin, die mit fruchtbaren Feldern und der Bearbeitung des Landes verbunden wurde, nahm folglich eine wichtige Stellung innerhalb der Religion ein.


Fruchtbarkeit des Bodens

Gefjon wurde vor allem mit der Fruchtbarkeit des Landes in Verbindung gebracht.

Dabei bezog sich Fruchtbarkeit nicht allein auf das Wachstum von Getreide. Sie umfasste alles, was das Gedeihen einer Gemeinschaft ermöglichte: fruchtbare Böden, gesunde Tiere und ausreichende Nahrung.

In dieser Hinsicht ähnelt Gefjon anderen europäischen Erdgöttinnen, ohne jedoch deren Aufgaben vollständig zu übernehmen.


Ihre besondere Stärke liegt im aktiven Erschaffen neuen Landes – ein Motiv, das in ihrer berühmtesten Sage eindrucksvoll zum Ausdruck kommt.

Gefjon und die Jungfräulichkeit

Eine ungewöhnliche Verbindung

In den Quellen wird Gefjon mehrfach als Göttin der Jungfrauen bezeichnet.

Snorri Sturluson berichtet, dass alle Frauen, die unverheiratet sterben, in ihre Obhut gelangen.


Diese Aussage wirkt zunächst überraschend, da viele nordische Göttinnen eher mit Ehe oder Mutterschaft verbunden werden.


Gerade dadurch nimmt Gefjon eine Sonderstellung innerhalb des Pantheons ein.


Was bedeutete Jungfräulichkeit im nordischen Weltbild?

Der Begriff Jungfräulichkeit darf nicht mit modernen Vorstellungen gleichgesetzt werden.

In der nordischen Gesellschaft bezeichnete er in erster Linie den Status einer unverheirateten Frau.

Gefjon erscheint deshalb weniger als Symbol sexueller Enthaltsamkeit, sondern vielmehr als Schutzgöttin junger Frauen, die noch nicht in eine Ehe eingetreten waren.


Ihre Verbindung zur Fruchtbarkeit widerspricht diesem Bild daher keineswegs.

Sie verkörpert vielmehr unterschiedliche Lebensphasen und die Fähigkeit, neues Leben – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn – hervorzubringen.

Die Sage von der Entstehung Seelands

Ein Wettstreit mit König Gylfi

Die bekannteste Geschichte über Gefjon findet sich in der Ynglinga saga und zählt zu den eindrucksvollsten Gründungsmythen Skandinaviens.


Der schwedische König Gylfi versprach Gefjon so viel Land, wie sie innerhalb eines Tages und einer Nacht pflügen könne.


Wahrscheinlich glaubte der König, die Göttin würde nur eine kleine Fläche gewinnen.

Doch Gefjon hatte einen außergewöhnlichen Plan.


Die Verwandlung ihrer Söhne

Gefjon zeugte mit einem Riesen vier Söhne.

Anschließend verwandelte sie diese in gewaltige Ochsen.

Mit ihrer übermenschlichen Kraft spannten die Tiere den Pflug an und rissen ein riesiges Stück Land aus dem schwedischen Boden heraus.


Anschließend zog Gefjon dieses Landstück hinaus ins Meer.

Dort entstand die Insel Seeland, auf der sich heute unter anderem die dänische Hauptstadt Kopenhagen befindet.


Der zurückbleibende Hohlraum soll nach der Sage zum Mälarsee geworden sein.

Diese Erzählung verbindet auf eindrucksvolle Weise Mythologie mit der Landschaft Skandinaviens und erklärt ihre Entstehung durch das Wirken einer Göttin.

Die Symbolik der Seeland-Sage

Landgewinnung als göttlicher Akt

Die Geschichte von Gefjon und der Entstehung Seelands ist weit mehr als eine Erklärung für die Landschaft Skandinaviens. Sie spiegelt zugleich die Bedeutung des Landes für die Menschen der Wikingerzeit wider.


Fruchtbarer Boden war eine der wertvollsten Ressourcen überhaupt. Wer über gutes Ackerland verfügte, besaß die Grundlage für Nahrung, Wohlstand und politische Macht. Dass ausgerechnet eine Göttin neues Land erschafft, unterstreicht, wie eng die Landwirtschaft mit dem göttlichen Wirken verbunden wurde.

Gleichzeitig zeigt die Erzählung, dass Intelligenz und Einfallsreichtum ebenso wichtig sein konnten wie körperliche Stärke. Gefjon gewinnt das Land nicht durch einen Krieg, sondern indem sie die Bedingungen des Königs geschickt zu ihrem Vorteil nutzt.


Die vier Ochsen

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die vier Ochsen, in die Gefjon ihre Söhne verwandelt.

Der Ochse war in der nordischen Welt eines der wichtigsten Arbeitstiere. Ohne ihn wäre die Bearbeitung schwerer Böden vielerorts kaum möglich gewesen.


Indem die Sage gerade diese Tiere in den Mittelpunkt stellt, verbindet sie göttliche Macht unmittelbar mit der alltäglichen Arbeit der Bauern. Die Landwirtschaft erscheint dadurch nicht als gewöhnliche Tätigkeit, sondern als etwas, das unter dem Schutz der Götter steht.


Die Geschichte verleiht dem Pflügen und der Erschließung neuen Landes eine beinahe heilige Bedeutung.

Gefjon im religiösen Alltag

Eine Göttin des täglichen Lebens

Viele nordische Götter wurden vor allem mit außergewöhnlichen Ereignissen verbunden. Thor kämpfte gegen Riesen, Odin suchte nach verborgener Weisheit und Tyr opferte seine Hand für das Wohl der Götter.

Gefjons Einfluss zeigte sich dagegen im Alltag.


Jedes gepflügte Feld, jede gelungene Ernte und jedes neu erschlossene Stück Land konnten als Ausdruck ihrer göttlichen Unterstützung verstanden werden. Gerade deshalb dürfte sie für viele Bauern eine wichtige Gottheit gewesen sein, auch wenn darüber nur wenige schriftliche Quellen erhalten geblieben sind.

Die Wikinger waren nicht nur Seefahrer und Krieger. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft. Eine Göttin wie Gefjon spielte daher vermutlich eine größere Rolle, als die wenigen erhaltenen Mythen vermuten lassen.


Schutz für unverheiratete Frauen

Neben ihrer Verbindung zum Ackerbau nahm Gefjon auch eine besondere Stellung als Beschützerin unverheirateter Frauen ein.


Nach Snorri Sturluson gelangen jene Frauen, die unverheiratet sterben, in Gefjons Obhut. Warum gerade ihr diese Aufgabe zukam, wird in den Quellen nicht näher erklärt.


Möglicherweise sollte dadurch verdeutlicht werden, dass nicht nur Ehefrauen und Mütter einen Platz innerhalb der göttlichen Ordnung besaßen. Auch Frauen, die nie heirateten, standen unter dem Schutz einer angesehenen Göttin.


Dies verleiht Gefjon innerhalb des nordischen Pantheons eine besondere Rolle.

Gefjon und andere nordische Göttinnen

Gemeinsamkeiten mit Freyja und Frigg

Auf den ersten Blick lassen sich gewisse Parallelen zu anderen Göttinnen erkennen.

Wie Freyja besitzt auch Gefjon eine Verbindung zur Fruchtbarkeit. Während Freyjas Einfluss jedoch vor allem Liebe, Schönheit und menschliche Fruchtbarkeit umfasst, richtet sich Gefjons Wirken stärker auf das Land selbst.


Auch mit Frigg bestehen Berührungspunkte. Beide Göttinnen stehen für Fürsorge und den Schutz bestimmter Lebensbereiche. Frigg wacht über Ehe und Familie, Gefjon hingegen über unverheiratete Frauen und die Lebensgrundlage der Gemeinschaft.

Diese Unterschiede zeigen, wie differenziert die Aufgaben innerhalb des nordischen Pantheons verteilt waren.


Eine eigenständige Göttin

Trotz einzelner Überschneidungen besitzt Gefjon ein klar erkennbares eigenes Profil.

Keine andere Göttin verbindet die Themen Landgewinnung, Ackerbau und den Schutz unverheirateter Frauen in vergleichbarer Weise. Gerade diese ungewöhnliche Kombination macht sie zu einer der interessantesten Figuren der nordischen Mythologie.

Historische Einordnung

Wie alt ist der Kult um Gefjon?

Wann die Verehrung Gefjons genau begann, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit bestimmen.

Viele Forscher gehen jedoch davon aus, dass ihre Wurzeln weit in die vorchristliche germanische Religion zurückreichen. Ihre enge Verbindung zur Landwirtschaft spricht dafür, dass sie bereits in einer Zeit verehrt wurde, als das Leben der Menschen noch fast vollständig von der Bewirtschaftung des Bodens abhing.

Die späteren schriftlichen Quellen bewahren vermutlich nur einen kleinen Teil eines deutlich älteren Glaubens.


Gefjon in Dänemark

Besonders in Dänemark blieb die Erinnerung an Gefjon lebendig.

Ein eindrucksvolles Zeugnis dafür ist der berühmte Gefion-Brunnen in Kopenhagen. Die monumentale Skulptur zeigt die Göttin gemeinsam mit den vier Ochsen, die den Pflug ziehen und das Land aus Schweden herausreißen.


Obwohl der Brunnen erst Ende des 19. Jahrhunderts entstand, verdeutlicht er, welche kulturelle Bedeutung die Sage bis heute besitzt.


Für viele Menschen ist Gefjon längst zu einer Symbolfigur der dänischen Geschichte und Identität geworden.

Gefjon in der modernen Zeit

Wiederentdeckung nordischer Mythologie

Mit dem wachsenden Interesse an der nordischen Mythologie rücken auch weniger bekannte Gottheiten zunehmend in den Fokus.


Gefjon wird heute nicht mehr nur als Figur einer alten Sage betrachtet. Sie gilt vielen als Symbol für Naturverbundenheit, schöpferische Kraft und den verantwortungsvollen Umgang mit der Landschaft.

Gerade in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und der Schutz natürlicher Lebensräume immer wichtiger werden, erscheinen ihre Themen erstaunlich aktuell.


Eine Göttin des Neuanfangs

Gefjons Geschichte erzählt davon, neues Land zu erschließen und Zukunft zu schaffen.

Damit verkörpert sie nicht nur Fruchtbarkeit im klassischen Sinn, sondern auch die Fähigkeit, neue Möglichkeiten zu schaffen und Herausforderungen mit Klugheit zu begegnen.

Diese Botschaft macht ihre Figur bis heute bemerkenswert.

Fazit: Die Göttin, die ein Land erschuf

Gefjon gehört zu den faszinierendsten, aber zugleich am wenigsten bekannten Göttinnen der nordischen Mythologie. Als Göttin des Ackerbaus, der Landgewinnung und der Jungfräulichkeit verband sie Themen, die für die Menschen der Wikingerzeit von grundlegender Bedeutung waren.


Ihre berühmte Sage über die Entstehung Seelands zeigt eindrucksvoll, wie eng Mythologie und Landschaft miteinander verwoben sein konnten. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass göttliche Macht nicht immer im Kampf gegen Riesen oder Drachen sichtbar wurde. Mit Klugheit, Entschlossenheit und schöpferischer Kraft erschuf Gefjon neues Land und damit neue Lebensgrundlagen.


Gerade diese Verbindung aus Natur, Fruchtbarkeit und Verantwortung macht sie zu einer außergewöhnlichen Figur des nordischen Pantheons. Auch wenn sie heute weniger bekannt ist als Odin oder Thor, verdient Gefjon ihren Platz unter den bedeutenden Gottheiten der nordischen Überlieferung.

FAQ – Gefjon

Wer war Gefjon?

Gefjon war eine Göttin der nordischen Mythologie, die mit Ackerbau, Landgewinnung, Fruchtbarkeit und dem Schutz unverheirateter Frauen verbunden wurde.

Sie galt als Göttin des Ackerbaus, der fruchtbaren Erde, der Landgewinnung und der Jungfräulichkeit.

Gefjon verwandelte ihre vier Söhne in Ochsen, pflügte ein riesiges Stück Land aus Schweden heraus und zog es ins Meer. Daraus entstand die Insel Seeland.

Nach der Überlieferung entstand aus der entstandenen Vertiefung der Mälarsee in Schweden.

Ja. Besonders in Dänemark erinnert unter anderem der berühmte Gefion-Brunnen in Kopenhagen an die Göttin und ihre bekannteste Sage.

Die nordische Mythologie besteht nicht nur aus Göttern des Krieges und gewaltigen Schlachten. Göttinnen wie Gefjon zeigen, wie eng die Menschen der Wikingerzeit mit der Natur, der Landwirtschaft und den Kräften des Lebens verbunden waren.


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